Die Karte der Welt (German Edition) by Buckingham Royce

Die Karte der Welt (German Edition) by Buckingham Royce

Author:Buckingham, Royce [Buckingham, Royce]
Language: deu
Format: epub
Publisher: E-Books der Verlagsgruppe Random House GmbH
Published: 2013-07-14T22:00:00+00:00


31

Die Soldaten trieben die Kinder an, während die anderen mit Kravens und Brynns Hilfe von Blu und Adara erfuhren, was geschehen war. Wie durch ein Wunder hatten die meisten der Kleinen überlebt. Adara hatte eilig durchgezählt. Jedes Kind, das alt genug war, um ein eigenes Boot zu haben, war in der Gruppe, darunter auch viele ihrer Cousins. Nur die, die schon über zehn waren, fehlten, und sie weinte hemmungslos vor Glück und Trauer zugleich. Fretter konnte genug herausfinden, um die Zahl ihrer Feinde abzuschätzen – über fünfzig –, auch wenn Blu nicht sagen konnte, wie weit sie noch entfernt sein mochten. Auf die Frage, was die Düsterlinge wollten, erwiderte Blu nur, dass sie ihre Opfer gefressen hätten, noch während er und Adara flohen. Nahrung vielleicht, aber ein Schlachten von derartigem Ausmaß deutete eher auf bestialischen Blutdurst hin denn auf Hunger.

Schließlich berichtete Adara, wie sie entkommen waren.

Wex schob sich nach vorn, um mithören zu können. Brynn war die bessere Übersetzerin und wiederholte Adaras Worte, unterbrochen von gelegentlichen Pausen für Nachfragen.

»Sie griffen im Morgengrauen an, als wir noch schliefen«, übersetzte Brynn. »Wir wachten auf und sahen, wie sie unsere Boote hinaus auf den Fluss schoben, wo sie sie entweder versenkten oder in Brand steckten. Wir schickten die Kinder los, die ihre Boote weiter flussaufwärts festgemacht hatten, getrennt von den anderen. Wir haben keine Waffen, und ohne die Boote waren wir ihnen hilflos ausgeliefert. Sie warteten am Ufer und erstachen uns mit kleinen Speeren, während wir versuchten davonzuschwimmen. Viele von uns starben im Wasser. Ich war auf der Barke meines Vaters, als Blu durch ihre Linien brach und zu mir stieß. Er brachte mich aufs Festland, weg von den anderen, die instinktiv versuchten, sich in den Walther zu retten, und dort nur den Tod fanden. Ich weiß nicht, wie Blu ihnen entkommen ist, aber irgendwie hat er es geschafft, und sie verfolgten uns nicht. Rauch stieg auf, alle rannten und schrien, und ich bekam nicht alles mit, was geschah.«

Adara erzählte ihre Geschichte mit einer wirren Mischung aus Angst, Wut und Freude, und einmal glaubte Wex, sie würde jeden Moment anfangen zu schreien. Sie gestikulierte wild mit den geschmeidigen Armen, trommelte mit den Füßen auf den Boden, um zu demonstrieren, wie schnell sie gerannt war, und legte so viel Emotionen in ihre Erzählung, als würde sie ein erdachtes Bühnenstück aufführen, aber das Feuer, das dabei in ihren Augen brannte, war allzu real. Als sie zu Ende gesprochen hatte, schwitzte und keuchte sie.

»Was war mit deinem Vater?«, fragte Fretter.

»Er warf sich zwischen die Düsterlinge und die Kinder. Die gehörnten Teufel durchbohrten ihn mit drei ihrer kleinen Speere, doch er stand immer noch. Er war stark bis zum Ende. Es brauchte vier von ihnen, um ihn niederzuringen.«

Wex sah einen kleinen Blutstropfen aus Adaras Mundwinkel hervorquellen – sie biss sich auf die Lippe, damit ihr Mund nicht so zitterte. Fretter stellte keine Fragen mehr, und eine Zeit lang gingen sie in ehrerbietiger Stille weiter.

Als sie in die Nähe des Turms kamen, entdeckten sie die ersten Spuren. Von Menschenfüßen niedergetrampeltes Gras, wie es schien.



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